1. Entwicklung
Seit den 1970er-Jahren gibt es immer mehr Sportangebote für blinde und sehbehinderte Menschen – sowohl in der Schule als auch im Freizeitsport. Heute sind auch Wettkämpfe und Leistungssport für blinde und sehbehinderte Sportler selbstverständlich.
2. Welche Sportarten sind möglich?
Viele Sportarten können mit Sehbehinderung oder Blindheit betrieben werden.
Gymnastik stärkt Beweglichkeit, Koordination und Körperbewusstsein. Übungen werden mündlich erklärt oder vorgemacht, manchmal mit taktiler Anleitung. Sie kann allein oder in Gruppen stattfinden und ist ideal für Fitness und Wohlbefinden.
Fazit: Gymnastik hält fit, fördert das Körpergefühl und bringt Bewegung in den Alltag.
Mit der Zielhilfe „Blind Touch“ können auch blinde Menschen sicher Bogenschießen lernen. Dabei werden Körpergefühl, Konzentration und Kontrolle geschult. Meist kommt ein Recurve-Bogen zum Einsatz, individuell an Größe und Stärke anpassbar.
Da Angebote je nach Region und Sehgrad unterschiedlich sind, wird jede Anfrage individuell betreut.
Fazit: Mit gezielter Technik und Unterstützung ist Bogenschießen auch ohne Sehvermögen möglich.
Goalball ist ein Mannschaftssport für Blinde und Sehbehinderte. Zwei Teams mit je drei Spielern stehen sich auf einem 9 x 18 m großen Spielfeld gegenüber. Alle tragen Augenbinden, um gleiche Bedingungen zu schaffen. Der Ball enthält Glöckchen, damit er gehört werden kann.
Während des Spiels müssen die Zuschauer still sein, damit die Spieler den Ball akustisch orten können. Punkte gibt es, wenn der Ball ins 1,30 m hohe Tor des Gegners rollt.
Goalball ist eine Paralympics-Disziplin und gilt als schneller, taktisch anspruchsvoller Teamsport, auch wenn er in Deutschland noch wenig verbreitet ist.
Fazit: Goalball ist ein inklusiver, spannender Sport, bei dem alle Spieler gleiche Bedingungen haben und sich vollständig auf ihr Hörvermögen und Teamarbeit verlassen müssen.
Judo eignet sich ideal für blinde und sehbehinderte Menschen, da der Körperkontakt von Beginn an gleiche Bedingungen schafft. Die Kämpfer starten im Griffkontakt, wodurch Orientierung und Gleichgewicht entscheidend sind.
Gemeinsames Training mit sehenden Partnern stärkt Vertrauen und Technik. Blinde Judoka treten auch bei nationalen und paralympischen Wettkämpfen an.
Fazit: Judo verbindet Kraft, Konzentration und Respekt – Sehen ist dabei zweitrangig.
Beim Kegeln helfen taktil markierte Bahnen und akustische Hinweise, Richtung und Wurf zu kontrollieren. Durch Übung entwickeln die Spieler ein gutes Gefühl für Abstand und Kraft. Der Sport wird in Vereinen und Turnierenausgeübt und fördert Gemeinschaft und Konzentration.
Fazit: Hören, fühlen, zielen – Kegeln macht auch ohne Sehen Spaß.
Leichtathletik bietet Blinden und Sehbehinderten viele Möglichkeiten, Kraft, Ausdauer und Koordination zu trainieren. Beim Laufen begleitet ein sehender Guide den Athleten mit einer kurzen Schnur und gibt Orientierung und Rhythmus. Beim Springen und Werfen helfen akustische oder taktile Signale, die Richtung zu halten und sicher zu starten.
Blinde und sehbehinderte Sportler nehmen an nationalen und paralympischen Wettkämpfen teil. Die Sportart zeigt eindrucksvoll: Leistung und Leidenschaft kennen keine Grenzen.
Fazit: Leichtathletik zeigt, wie vielseitig und leistungsstark blinde und sehbehinderte Sportler sein können. Mit gezielter Orientierungshilfe und speziellen Signalen beweisen sie eindrucksvoll, dass sportliche Leidenschaft und Höchstleistungen für alle erreichbar sind.
Auch blinde und sehbehinderte Menschen können am Luftgewehrschießen teilnehmen. Mithilfe einer speziellen elektronischen Zielvorrichtung, die am Gewehrlauf befestigt und mit einem Laptop verbunden ist, wird das Zielen durch Töne unterschiedlicher Tonhöhe ermöglicht – je höher der Ton, desto näher ist das Ziel in der Mitte.
Fazit: Dank moderner Technik ist präzises Luftgewehrschießen auch ohne Sehvermögen möglich – der Ton ersetzt dabei das Auge.
Reiten fördert Gleichgewicht, Körpergefühl und Vertrauen. Blinde und sehbehinderte Reiter werden von Reitlehrern oder Begleitern unterstützt, die über Stimme oder leichte Berührungen Anweisungen geben. Das Pferd reagiert auf Stimme und Körperhaltung, sodass eine enge Bindung zwischen Reiter und Tier entsteht.
Fazit: Reiten stärkt Körper und Selbstvertrauen – Mensch und Tier werden zu einem Team.
Beim Rudern zählt das gemeinsame Rhythmusgefühl. Blinde und sehbehinderte Ruderer orientieren sich am Takt der Mannschaft oder an akustischen Signalen des Steuermanns. Der Sport trainiert Kraft, Ausdauer und Teamgeist.
Fazit: Im Boot sind alle gleich – das Gefühl für Rhythmus ersetzt das Sehen.
Schwimmen ist ideal für blinde und sehbehinderte Menschen, da Orientierung und Bewegung im Wasser gut trainiert werden können. Die Sportler nutzen Bahnenleinen, akustische Signale oder werden mit einem „Tapper“ kurz vor der Wende berührt.
Der Sport stärkt Kraft, Ausdauer und Koordination und ist Teil der paralympischen Wettkämpfe.
Fazit: Im Wasser zählt nicht das Sehen, sondern Gefühl und Vertrauen.
Showdown ist ein Tischballspiel, das speziell für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt wurde, es kann aber auch von sehenden Menschen gespielt werden, dann aber mit Dunkelbrille. Showdown hat etwas Ähnlichkeit mit Tischtennis.
Fazit: Showdown ist ein dynamisches Spiel mit großem Spaßfaktor.
Blinde und sehbehinderte Menschen fahren mit einem sehenden Guide, der per Funk oder Zurufe Richtung und Tempo angibt. Beim alpinen Skifahren folgt der Sportler dem Guide, im Langlauf läuft dieser meist voraus.
Skifahren stärkt Gleichgewicht, Reaktion und Vertrauen und vermittelt ein besonderes Naturerlebnis.
Fazit: Mit Kommunikation und Teamgeist wird Skifahren auch ohne Sehen zum Freiheitsgefühl.
Surfen erfordert Mut, Gleichgewicht und Vertrauen. Sehende Trainer oder Begleiter helfen beim Start und geben sprachliche oder akustische Hinweise zur Welle und Richtung. Der Sport vermittelt Freiheit und Nähe zur Natur.
Fazit: Wer die Wellen spürt, braucht keine Augen, um das Meer zu erleben.
Beim Tandemfahren sitzen zwei Personen hintereinander – vorne der sehende Pilot, hinten der blinde Mitfahrer. Das erfordert perfektes Zusammenspiel bei Gleichgewicht, Kurven und Bremsen.
Viele entdecken den Sport über Tandem-Clubs wie die „Weiße Speiche“. Im Rennsport gibt es Bahn- und Straßenrennen mit Geschwindigkeiten über 70 km/h.
Tandemfahren ist eine paralympische Disziplin – Motto: Gemeinsamkeit macht schnell!
Fazit: Tandemfahren zeigt, wie stark Teamwork sein kann: Pilot und Mitfahrer bilden eine Einheit, die gemeinsam hohe Geschwindigkeiten und präzises Fahren ermöglicht. Der Sport beweist, dass Vertrauen und Zusammenarbeit zu beeindruckenden Leistungen führen.
Torball ist das beliebteste Blindensportspiel in Deutschland – schnell, spannend und torreich. Gespielt wird auf einem 7 x 16 m Feld mit einem Klingelball, drei Leinen zur Orientierung und drei Spielern pro Team, alle mit Augenbinde und Schutzpolstern.
Der Ball muss flach unter den Leinen ins Tor geworfen werden. Berührungen der Leinen oder Zeitüberschreitungen führen zu Strafwürfen, beim dritten Verstoß zu einem Penalty.
Torball wird national und international gespielt – bis hin zu Europa- und Weltmeisterschaften.
Fazit: Torball verbindet Tempo, Präzision und Taktik. Das Spiel zeigt, wie intensiv und fairer Wettkampf im Blindensport sein kann und wie viel Geschick und Teamarbeit hinter jedem erfolgreichen Treffer steckt.
3. Unterstützung und Begleitung
Blinde Menschen brauchen für viele Sportarten eine sehende Begleitung.
Zum Beispiel:
- Beim Tandemfahren: ein sehender Pilot sitzt vorne.
- Beim Laufen: ein Begleitläufer läuft mit.
- Beim Skifahren oder Rudern: die Begleitung hilft bei der Orientierung.
Mit einer guten Begleitung können Blinde viele Sportarten ausprobieren – und es macht gemeinsam oft mehr Spaß!
Sehbehinderte Menschen sind beim Sport oft unabhängiger, weil sie ihren Sehrest nutzen können.
Wichtig ist:
- Gute Beleuchtung
- Deutlich erkennbare Spielfeld- oder Bahnmarkierungen
- Sportgeräte in kontrastreichen Farben
4. Wettkampfsport und Paralympics
Immer mehr blinde und sehbehinderte Menschen treiben Leistungssport.
In vielen Sportarten gibt es nationale und internationale Meisterschaften.
Der Höhepunkt ist die Teilnahme an den Paralympics – den Olympischen Spielen für Menschen mit Behinderung. Sie finden im selben Jahr und oft am selben Ort wie die Olympischen Spiele statt.
5. Klasseneinteilung im Wettkampf
Bei Meisterschaften werden Teilnehmende nach ihrem Sehvermögen eingeteilt:
- Blinde Sportlerinnen und Sportler
- Hochgradig sehbehinderte Personen
- Sehbehinderte Personen
Beispiele für Regelanpassungen:
- Blinde Läufer starten mit Begleitläufer und akustischen Signalen (z. B. Zurufe).
- Hochgradig Sehbehinderte haben beim Laufen zwei Bahnen oder eine größere Absprungzone.
- Beim Skilanglauf läuft ein sehender Begleiter mit.
6. Sportarten mit Einschränkungen
Einige Sportarten sind für blinde Menschen schwer oder nicht möglich, wie zum Beispiel Inline-Skating oder Snowboarding.
Trotzdem sollten Interessierte die Möglichkeit haben, sie auszuprobieren oder kennenzulernen.
7. Vereine und Angebote
Viele blinde und sehbehinderte Menschen treiben Sport in Blinden- oder Behindertensportvereinen.
Diese bieten oft klassische Sportarten an wie:
- Schwimmen
- Leichtathletik
- Gymnastik
- Kegeln
- Torball und Goalball
Wer andere oder leistungsorientierte Sportarten wie Ski, Rudern oder Judo betreiben möchte,
tritt meist einem allgemeinen Sportverein vor Ort bei.
8. Warum Sport wichtig ist
Sport hilft, Bewegungsmangel auszugleichen und Beweglichkeit zu fördern.
Er stärkt die Körperkontrolle und kann den Alltag erleichtern. Außerdem macht Sport Spaß, schafft Gemeinschaft und stärkt das Selbstvertrauen.
9. Mitmachen und Ausprobieren
Vielleicht möchten Sie selbst einmal eine neue Sportart ausprobieren – egal ob als Freizeitspaß oder Wettkampfsport.
Wichtig ist: Spaß und Bewegung stehen im Vordergrund!
Wenn Sie Erfahrungen, Ideen oder Anregungen haben, freuen wir uns über Ihre Nachricht.
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